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"Fachdidaktische Lehr-Lernforschung - Didaktische Rekonstruktion" (Promotionsprogramm)
Bevor wir im folgenden unsere Forschungstätigkeit im Bereich der Fachdidaktik ausführlich darstellen, sei noch auf das Forum Wissenschaftsgeschichte im naturwissenschaftlichen Unterricht verwiesen. Dieses Forum soll dazu dienen, Informationen, Unterrichtserfahrungen und -materialien rund um historisch orientierten naturwissenschaftlichen Unterricht zu veröffentlichen. Im Rahmen unseres Forschungsvorhaben wird sich die Arbeitsgruppe mit
wissenschaftshistorischen Inhalten im Physikunterricht im Hinblick auf
ihre Beziehung zum Schülervorverständnis und ihre Bedeutung
für Lernerfolge von Schüler/innen beschäftigen. Stand der Forschung Im englischsprachigen Raum existiert eine Vielzahl von schulpraktischen
Vorschlägen zur Einbeziehung wissenschaftshistorischer und wissenschaftstheoretischer
Inhalte in den naturwissenschaftlichen Unterricht. Bedeutend weniger Material
liegt zur Verwendung historischer Experimente vor (Samuel Devons, Columbia
University New York). Empirische Untersuchungen zur Evaluation liegen
vor allem für den Bereich der STS-Programme vor (Science-Technology-Society).
In Deutschland gründen sich die wenigen entsprechenden Versuche auf
die Arbeiten von Martin Wagenschein und Jens Pukies; hierbei ist allerdings
der Bereich der Experimente und des Experimentierens weitgehend unberücksichtigt
geblieben. In Oldenburg wird versucht, diesen Bereich durch die Verwendung
von Nachbauten historischer Geräte zu fördern. Leider existieren
kaum Untersuchungen zur Wirksamkeit eines solchen Unterrichts. Auch der
Zusammenhang zwischen psychogenetischer Entwicklung, dem Lernfortschritt
in den Naturwissenschaften und der Wissenschaftsgeschichte (Jean Piaget)
blieb wenig beachtet. Hier gilt es anzuknüpfen und zusätzliches
empirisches Material zu erheben. Forschungsprogramm und Ziele Die verbreitete, aber kaum empirisch geprüfte Vermutung, Lernervoraussetzungen (Schülervorverständnis) hätten strukturelle Ähnlichkeiten mit frühen Stadien der Wissenschaftsentwicklung, wird oft als Begründung für entsprechend historische Unterrichtsgestaltung herangezogen. Dieser grundlegenden Fragestellung der didaktischen Rekonstruktion soll im Rahmen einer empirischen Studie, die sich auf die in der Vorverständnisforschung entwickelte Methodologie stützen kann, untersucht werden. Dabei wird es notwendig sein, auf die Rolle der Analogiebildung und der Fortführung des sehr früh ausgeprägten Alltagsbewusstseins einzugehen. Für die Konstruktion von konkreten Lernsituationen nach den aufgeführten Grundsätzen ist eine systematische Sammlung und Analyse der vorliegenden Ansätze aus dem In- und Ausland notwendig, wie sie bereits zu einem guten Teil in der Dissertation von D. Höttecke (Die Natur der Naturwissenschaften historisch verstehen. Fachdidaktische und wissenschaftshistorische Untersuchungen, Oldenburg 2000) geleistet wird. Darüber hinaus müssen neue, für einzelne Schulstufen und Schulformen geeignete Lehrgänge entwickelt und erprobt werden. Ein - auch international nicht unbedeutendes - Defizit der fachdidaktischen Forschung im Bereich der historisch geprägten Unterrichtsverfahren liegt in der empirischen Untersuchung des Lernerfolgs der Lernenden im Hinblick auf fachliche und überfachliche Qualifikationsziele. Eine Pilotstudie kann hier einen ersten Vergleich mit dem herkömmlichen Unterricht ermöglichen. Besonders aufschlussreich erscheint die Untersuchung des Perspektivwechsels der Schülerinnen und Schüler; methodische Hilfsmittel für solche vergleichenden Untersuchungen liegen aus der amerikanischen Evaluationsforschung und den internationalen Vergleichsstudien zur Leistungsmessung und zu Scientific Literacy vor. Innovative fachdidaktische Forschung muss multimediale Präsentationsformen einbeziehen, da durch die neuen Informationsmedien weitere Zugänge zu den Naturwissenschaften eröffnet werden. Diese Fragestellung wird disziplinübergreifend im Graduiertenprogramm erarbeitet. Die Bedingungen für die Durchführung von empirischen Studien
und praktischen Erprobungen an Schulen in der Region sind günstig,
da viele Kontakte zu Lehrerinnen und Lehrern besteht, die im hiesigen
Studiengang Physik mit verstärkten historischen Kenntnissen ausgebildet
wurden. Mögliche Dissertationsthemen: Empirische und systematische Studien zum Verhältnis von Schülervorverständnis
und frühen (vorparadigmatischen) Wissensbeständen in den Naturwissenschaften
Literatur: Rieß, F., Dally, A., Nielsen, T. (Hg.) (1997).Geschichte und Theorie der Naturwissenschaften im Unterricht: Ein Weg zur naturwissenschaftlich-technischen Alphabetisierung? Loccum: Evangelische Akademie Bitte besuchen Sie auch die Homepage des Promotionsprogramms "Fachdidaktische
Lehr-Lernforschung - Didaktische Rekonstruktion" mit Stellenausschreibungen
und weiteren Informationen, auch über die anderen Arbeitsvorhaben.
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